BüCHERSCHRANK IM DREIMüHLENVIERTEL

Doppelt so viele Paten, wie erwartet

Text: Katharina Wilhelm vom 23.09.2018

Auf einmal war der Bücherschrank da, doch wie kam er hierher? Wir haben nachgefragt: Woher kam die Idee? Welches Buch stand zuerst darin? Und wie geht es weiter?

Unser Interview zur Herkunft des Bücherschranks:

Er ist einer der ersten zehn Bücherschränke in München und eigentlich sollte er ganz woanders stehen: Am belebtesten Eck des Viertels, dem Roecklplatz. Da Glas und Fußbälle sich jedoch naturgemäß nicht so gut vertragen, haben sich die Beteiligten für die Kreuzung Ehrengut- und Dreimühlenstraße entschieden - nicht zuletzt wegen Baum und Bank daneben. Das Eck ist doch wie geschaffen für eine Oase zu Inspiration und Austausch.

„Jedesmal wenn ich vorbeigehe, sehe ich jemanden vor dem Schrank”, schmunzelt Anna. Die ehemalige Bildredakteurin eines bekannten Einrichtungsmagazins ist seit fünf Jahren im Ruhestand, der so ruhig allerdings nicht ist. „Ich bin viel ehrenamtlich unterwegs”, sie kommt gerade von einer Flüchtlingsfamilie und hat schon die Reise zu den Enkeln in Holland im Blick, dort wird sie am Wochenende als Babysitter gebraucht. Auf die Idee mit dem Bücherschrank kam sie vor knapp einem Jahr, als sie die ganzen Kisten mit Büchern und “Zu verschenken”-Schildern im Regen stehen sah. Erste Ratschläge holte sie sich beim Verein des Schwabing Bücherschranks am Nordbad, danach stellte sie einen Antrag für die Finanzierung und Genehmigung beim Bezirksausschuss und schließlich war noch ein Trägerverein Voraussetzung, dafür hat sich die Glockenbachwerkstatt e.V. großzügig zur Verfügung gestellt. Nach der Bewilligung folgte endlich der Aufruf für Paten: Sechs sollten es mindestens sein, schlussendlich wurden es vierzehn- mehr als doppelt so viele. Nun ist Anna zufrieden- die Idee zum Bücherschrank gab es schon seit zehn Jahren, in gut zehn Monaten hat sie sie nun umgesetzt.

Vor allem Kinderbücher fehlen im Bücherschrank

Am Tag der Eröffnung schließlich schüttete es in Strömen, doch die Unterstützer des Bücherschranks ließen sich davon nicht abhalten: So kamen unter anderem Hauptorganisatorin Beate Bidjanbeg vom Bezirksausschuss, Musiker Robert Wildfeuer, Grafikerin Regina Berg, die das Logo entwarf, und viele mehr. Auch die Paten ließen sich nicht lange bitten. Jeder der vierzehn ist nun im Wochenwechsel für den Schrank zuständig: Bücher aufstellen, Kataloge, CDs und Kleidung raus-, die Kinderbücher ins eigene Regalfach ganz unten einräumen. Vor allem die fehlen - zumindest sind sie immer als Erstes weg. Dabei gab es sogar für dieses Projekt nicht nur Unterstützung, aber irgendwann haben sich wohl auch die Fahrradfahrer daran gewöhnt, dass es nun zwei Parkplätze weniger gab. Feedback ist natürlich immer erwünscht: Direkt im Schrank findet sich die Email-Adresse buecherschrank@glockenbachwerkstatt.de für alle Fragen, Anregungen und Wünsche rund um den Schrank.

Das erste Buch war...

Anna, selbst ursprünglich aus Jamaika, ist begeistert von Daniel Specks Buch “Bella Germania”, dessen Geschichte unter anderem am Roecklplatz und in der Kirche in der Zenettistraße spielt - passend also für den ersten Bücherschrank im Viertel. Entsprechend schnell war es vergriffen, sagt sie. Weiter geht es nun im Team: Die Paten werden sich regelmäßig treffen und austauschen, was man noch besser machen kann. Es gibt schon viele Ideen, sagt Anna, verraten wollen wir hier noch nichts. Aber wir halten Euch sicher auf dem Laufenden, sobald wir es von ihr erfahren. Wir wünschen weiterhin viel Freude und Erfolg mit dem Projekt.

Wollt ihr mehr solcher Viertelgeschichten? Dann lasst es uns wissen.


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Doppelt so viele Paten, wie erwartet ⋅ Bücherschrank im Dreimühlenviertel

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