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Viertelgeschichten

Iris Apotheke im Dreimühlenviertel: Und sie bleibt doch!

Die Apotheke ist ein Glücksfall für das Viertel und für viele oft die Rettung in der Not. Nach 28 Jahren geht Dr. Denk in den Ruhestand- wie geht es nun weiter?

Die Iris-Apotheke – Ein halbes Jahrhundert Viertelgeschichte

Das Viertel befindet sich weiter im Wandel: Am kommenden Montag, den 1. Februar, geht Dr. Felix P. Denk, Pächter der Iris Apotheke, Arbeitgeber und ein guter Zuhörer, nun in den wohlverdienten Ruhestand.

Mit ihm verlässt uns leider das gesamte Team. Bevor er geht, wollten wir ihn unbedingt noch einmal sprechen – auch um herauszufinden, was das jetzt für die Bewohner des Viertels bedeutet. Leider wahr: Lange Zeit war gar nicht klar, ob die Apotheke überhaupt bleiben darf. Seit 1958 gibt es sie bereits, damals noch in der Reifenstuelstrasse. 28 Jahre wurde sie nun geführt von Dr. Denk, „eine schöne Zeit!“, wie er im Gespräch sofort einwirft. Wie er damals eigentlich auf das Viertel kam? Durch Freunde – und das Yol, man kennt sich halt und als er erfuhr, dass die Apotheke auf dem Markt war, hat er sich gleich an die schöne Gegend erinnert.

“eine schöne Zeit!”, wie er im Gespräch sofort einwirft

Gute Zeiten, schlechte Zeiten – ist Corona der Grund für den Weggang?

Uns interessiert natürlich, was sich in fast dreißig Jahren in und um sein Geschäft verändert hat. Er ist sich sicher: „Kleine Apotheken wie wir werden aussterben- die Mieten steigt immer höher, die Margen werden geringer und der bürokratische Aufwand wächst enorm. Unser Hauptgeschäft sind die Rezepte, da sind wir der Politik ausgeliefert. Ob ich die Apotheke in fünf Jahren noch führen könnte, weiß ich gar nicht – viele Kollegen haben schon aufgegeben. Und Mitarbeiter zu finden wird auch nicht leichter….“

Und das Viertel selbst? „Hat sich total verändert! Früher war das ja ein Glasscherbenviertel, vor allem ältere Leute wohnten hier. Inzwischen ist es schicker, gibt viel mehr junge Leute und seit etwa zehn Jahren auch viele Kinder- wir verkaufen zum Beispiel viel mehr Milchpumpen in letzter Zeit.“ Hinter ihm liegt mit Corona ein stressiges Jahr, Lieferschwierigkeiten sind im Apothekenalltag neu und frustrierend, dazu der Gedanke im Hinterkopf, ob der Kunde vor ihm vielleicht schon ansteckend ist. „Sich länger unterhalten ging nicht mehr, also das eigentlich Schöne am Beruf.“ Wenn der Einsatz honoriert wurde, machte es ihn glücklich: „Spät abends noch Antibiotika schicken und dann der Dank, wenn die Kunden wieder gesund am Tresen stehen – das war es wert.“

Neue Baustelle im Dreimühlenviertel

Lange war nicht klar, ob dem Viertel die Iris-Apotheke erhalten bleibt- von Juli bis November kamen nur Absagen auf die Anträge für eine Betriebserlaubnis, die Anforderungen an Apotheken haben sich in den vergangenen 30 Jahren stark verändert. Ein Labor im Durchgangszimmer? Geht nicht. Eine Apotheke ohne Zugang für Rollstuhlfahrer? Nicht mehr zeitgemäß. Lieber schließt man sie ganz. Dagegen haben sich die Pächter jedoch gewehrt, mit Briefen an den Oberbürgermeister und höher, bis an die Staatsregierung. Inzwischen liegt die Betriebserlaubnis vor, jedoch unter Auflagen. Und leider zu spät für die Mitarbeiter- die haben sich inzwischen anderweitig beworben und werden nur aushilfsweise noch den Übergang begleiten. „Das wird eine Riesenbaustelle, Wände abtragen mit dem Presslufthammer, Keller trockenlegen- das wird noch richtig laut!“, so Dr. Denk. Für die Kunden geht es aber wie gewohnt weiter, ohne Pause und trotz Baulärm: Am 1. Februar 2021 öffnet die Iris Apotheke wieder für ihre Kunden. Wir sagen: Danke, liebes Apothekenteam, ihr habt uns oft gerettet. 

Iris Apotheke Dreimühlenviertel München